Be Cool, Taufenkopf. Zillertal. Foto: Simon Schöpf

„Be Cool (7a+)“ – Taufenkopf, Zillertal

“Die Schönste, Eindruckvollste und Gewaltigste Route im Zillertal wenn nicht sogar von Mitteleuropa.”
– Bernhard Hangl

Wenn man diese Taufenkopf-Route im großen, weiten Internet sucht, findet man dazu lediglich den zitierten Kurzbericht von Hangl Sen. – und darin genau ein Satz über die Tour. Der hat es dafür in sich. Dass sich eine der gewaltigsten Routen Mitteleuropas (!) ausgerechnet im vertikalen Dschungel des Zillertals versteckt, war uns bisher komplett unbekannt. Kaum zu glauben, da gibt’s nur eins: Eini da!

Be Cool, Taufenkopf. Zillertal. Foto: Simon Schöpf

Und um dem Internet noch ein paar mehr Details zu schenken, hier ein bisschen was über die Route.

Kapitel 1: 28. März 2025.

Schon fein warm im Frühling, wir – Johnny und Simon – steigen begeistert ein. Die ersten drei Seillängen gehen gut daher und machen richtig Spaß. Dann kommen wir zur Schlüssellänge, bewertet mit 8+ (7a+). Das Topo behauptet, dass genug Haken stecken und der Grad daher nicht obligat ist. Unsere Realität war dann etwas anders.

Zweifelnd vor der Crux, noch ohne Bohrhaken in place.

Wir geben beide einen motivierten GO, aber an der Schlüsselstelle steckt leider genau: gar nichts mehr. Also ordentlich schwer, nur noch eine Rostgurke gefolgt von einem riesigen Runout, die Verschneidung zu eng für Microcamps et. al. Deshalb: Rückzug ist auch eine Option – Wir lassen es bleiben und fragen später beim Erstbegeher Uwe Eder nach, ob das wirklich so gehört.

Stattdessen haben wir uns zum ‘Entspannen’ in die Centesimo verzogen, weil mir dort noch der Rotpunkt der Yosemite-Variation offenstand und Simon natürlich wieder mal nicht wusste, ob er die Route schon geklettert ist oder nicht. Fazit: Hammergeile Tour – aber dazu gibt’s bereits genug Berichte.

J. in der Yosemite-Variante der Centesimo. Deluxe!

Uwe bestätigte dann, dass die Haken an der Stelle wohl rausgestürzt wurden. Er meinte, wenn wir die Seillänge leicht sanieren bzw. reparieren wollen, könnten wir das gerne machen – und dass ihm dort auch ein Bohrhaken sinnvoll vorkommen würde. Übermotiviert wie Johnny eben so ist, habt er die Aufgabe natürlich mit Begeisterung übernommen, kletterte rope-solo die Nachbarroute und setzte einen Edelstahlbohrhaken an der Crux und einen Schlaghaken weiter oben in der Verschneidung.

Zweites Kapitel: April 2026

Fast-forward ein Jahr. Traumtag am Taufenkopf. Wie wir das einzige Auto am Parkplatz sein konnten, verstehen wir bis heute nicht. Offenbar haben einfach alle auf diesen Bericht gewartet …

Mit Bertl im Schlepptau konnten wir in flotter Dreierseilschaft schließlich alle Seillängen frei klettern und nunmehr auch bestätigen: Be Cool ist eine richtig lohnende Tour und zählt sicher zu den besten Routen im ganzen Zillertal. In Europa … naja so gut ist sie dann wohl auch wieder nicht, wenn man Chamonix, Furkapass und Verdon noch dazu zählt. Aber wie auch immer, für Wiederholer:innen mit Faible für Zillertal-Granit, ein paar knackige Runouts und Dyno-Handjams, genau das richtige!

Be Cool, Taufenkopf. Zillertal. Foto: Simon Schöpf
Mit der ALLEZ-Cola im Volldampf nach oben. Allez! Foto: Simon Schöpf

Ob das reicht, damit die Tour bei Simon langfristig in Erinnerung bleibt? Mal schauen.

Be Cool: Beschreibung der Seillängen

  • SL1 (8-/8)
    Abenteuerroute oder nicht, eigentlich fein, dass man den Einstiegsboulder an Edelstahl absichern darf. Danach links an der Schuppe hochklettern und dann wieder rechts rein. Geile Länge, aber mit Kaltstart schon ordentlich pumpig.
  • SL2 (8-)
    Speziell! Die ‘Coolen’ werden den dynamischen (!) Handjam finden. Schade, dass man die Gurken nicht wirklich hintersichern kann – aber sie stecken immerhin noch alle. Oben gerade weiterklettern (nicht nach rechts schleifen), an einem kleinen Baum vorbei recht erdig-rustikal zum Stand mit einem BH und einer Sanduhr.
  • SL3 (7-)
    Zum Start schöne Risse, teilweise etwas wackelig mit zweifelhafter Felsqualität. Oben raus leichter, aber stellenweise auch etwas hohl, aber super zum Klettern.
  • SL4 (8+)
    Crux Pitch, kurz und knackig. Am nagelneuen Bohrhaken entweder links kräftig im Layback-Stil mit kleinen Leisten links der Verschneidung oder technisch anspruchsvoll mit fulminanter Fußtechnik rechts raus zur Kante. Beide Varianten haben wir geschafft – geschenkt wird einem hier nichts. Pick your poison.
Be Cool, Taufenkopf. Zillertal. Foto: Simon Schöpf

  • SL5 (8)
    Wunderschöne Länge direkt an der Kante! Unten eher henkelig, oben technisch und kleingriffig. Hinter der Kante verstecken sich immer wieder gute Griffe. Ab und zu ist wegen der Felsqualität schon etwas Gefühl gefragt. Fels nicht ganz einfach zu Lesen.
Be Cool, Taufenkopf. Zillertal. Foto: Simon Schöpf
  • SL6 (7-)
    Hier wird’s weniger steil und ziemlich genussvoll. Im Riss nach dem letzten Schlaghaken hätte ich mir einen Micro-Cam gewünscht (0 wäre vermutlich perfekt). Die 6. und 7. SL wurde zusammengehängt – geht gut, aber Seilzug ist definitiv Thema.
Be Cool, Taufenkopf. Zillertal. Foto: Simon Schöpf
Genuss-Risse im oberen Wandteil.
  • SL7 (6+)
    Ebenfalls sehr schön und entspannt. Henkelig mit netten Risspassagen und steil zum Schluss.
  • SL8 (8-)
    Lasst die Cams unten für das steile Finale mit grandiosem Quarz! Letzte Länge zusammen mit Sei Prophet. Enjoy the view!
Be Cool, Taufenkopf. Zillertal. Foto: Simon Schöpf
Die geboltete letzte Seillänge.

Material:

Cams 0.2 bis 2 (+ ein Micro), eventuell ein paar kleine bis mittlere Cams doppelt, und 10 Exen. Risshandschuhe hilfreich. Abseilen über Sei Prophet.

Topo & Infos:

Mehrseillängen im Zillertal by Uwe Eder (leider seit Jahrzehnten ausverkauft, aber:) Das Titelfoto ist die Cruxpitch der Be Cool. Das sagt dann doch einiges.

Be Cool, Taufenkopf. Zillertal. Foto: Simon Schöpf
RP-Summit!

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